Unbehagen beim Frauen*kampftag

Ich war am letzten Wochenende beim Frauen*kampftag in Berlin und hatte mich im Vorfeld schon sehr darauf gefreut. Mit über 3.000 Teilnehmer*innen meines Wissens die größte zentrale Veranstaltung zum Internationalen Frauentag in Deutschland seit Jahren.

Wie die Bündnis-Arbeit im Vorfeld ablief, weiß ich nicht genau, aber die Kritik daran, dass die Inter- und Transperspektive zu kurz kommen würde, hatte ich mitbekommen und die Kritik wurde auch in Redebeiträgen auf der Auftaktkundgebung geäußert. Dass auch kritische Stimmen am Aufruf und Frauen*kampftag-Begriff auf der Demo einen Platz bekommen haben, fand ich super, denn das Hinterfragen der Herangehensweise des feministischen Ansatzes bedarf immer wieder einer krtitischen Reflexion. Historisch gesehen ist der „Frauen*kampftag“ ein Tag, der innerhalb des zweigeschlechtlichen Denkens errichtet wurde. Von daher finde ich es erstmal per se auch nicht schlimm, sich darauf zu berufen. Allerdings ist der Diskurs inzwischen diverser geworden und kritisiert auch – zurecht wie ich finde – Zweigeschlechtlichkeit grundsätzlich. Dass die Grundsatzdiskussion über queeren Ansatz vs. Frauen*kampftag inzwischen auch den 8. März erreicht hat, finde ich persönlich eher als Fortschritt. Man sollte dies m.E. auch positiv sehen und nicht nur bemängeln, dass andere Perspektiven beim historischen entstandenen Frauen*kampftag (noch) nicht berücksichtigt wurden. Trotzdem sollte man das Unbehangen von einigen, die gerne am 8. März für einen queeren Feminismus streiten wollen, wertschätzen und wie eben auch auf der Demo geschehen einen Platz einräumen. Vielleicht gibt es ja irgendwann einen Internationalen Queerfeministischen-Kampftag…

Das weitere Unbehagen hatte ich bei der Behandlung von Parteiangehörigen von einigen Demo-Teilnehmer*innen. Es wirkte so, als ob Parteisymbole ein Freibrief wären Personen persönlich abwerten zu dürfen. So wurde bei Redebeiträgen von Parteiangehörigen dazwischen gegröhlt, lautstark „Buh“ gerufen. Ich kenne die Kritik auch von anderen Bündnissen, wo Parteisymbolik nicht erwünscht ist. Gegen Banner, wo Namen von linksautonomen Bündnissen, drauf stehen, habe ich die Kritik bisher kaum wahrgenommen. Ich bin der Meinung, dass es nur dann fair wäre auf Parteisymbolik zu verzichten, wenn alles Bündnisse und Organisationen als solche nicht erkennbar sind und man sich dann hinter dem Bündnis-Namen formieren würde. Man müssten im Vorfeld auf einen Aufruf verzichten, der mit Bündnis-Zugehörigkeit unterzeichnet werden kann. Das durchzusetzen wäre aber m.E. den Aufwand nicht wert. Zudem halte ich es für gefährlich, wenn man auch die Organisationen, die mit fragwürdigen Transpis oder Plakaten dabei waren, nicht mehr zuordnen kann. Schließlich ist es für Außenstehende auf der Straße anders nicht ersichtlich von wem das Bündnis unterstützt wird, was ich im öffentlichen Diskurs doch auch wichtig finde. Wenn es darum geht eine gewisse Vielfalt dazustellen und die Außenwirkung divers darzustellen, kann man m.E. über die Anzahl und Auswahl der Mittel diskutieren, aber die Parteien-Schimpfe fand ich etwas daneben. Es ging schließlich allen um die Sache und auch darzustellen, wo die Personen sind, die gegen Feminismus stehen. Der Internationale Frauen*kampftag ist bunt, inhaltlich vielfältig, bürgerlich und radikal. Ich denke man sollte das gemeinsame betonen und nicht einzelne Frauen* abwerten.

Am Abend wurde vom Bündnis eine Party organisiert bzw. beworben. Mal abgesehen von den nicht ganz gelungenen „Übergängen“ bei der Musik im Partyraum, war bei mir bereits ‚an der Tür‘ schon etwas Unbehagen da als ich von den Türstehern angesprochen wurde: „Na, wo willstn du hin?“ als ich mich der Tür näherte. Als ich meinte: „Hier ist doch die Frauen*kampftag-Party oder nicht?“ Kam ein: „Ja, da rein, bitte rechts zur Kasse gehen.“ Ich fand das nicht einen so sonderlich gelungenen Start des Abends von ausschließlich ‚männlichen‘ Türsteher*innen auf diese Art „hineingelassen“ zu werden. Es wirkte so als ob das Machtverhältnis von den Türstehern ausging und nicht von den Veranstalter*innen. Das Unbehagen war dann noch größer als eine Freundin schilderte, dass sich Türsteher um eine Person kümmern wollten, der es auf der Frauen*-Toilette nicht so gut ging. Da offensichtlich im Security-Team gar keine Frauen* dabei waren, meinte ein Türsteher sich kümmern zu müssen, obwohl auch andere Personen anwesend waren, die die Situation im Griff hatten und sagten, dass die Security nicht benötigt wird. Das hielt den Türsteher jedoch nicht davon ab, trotzdem die Person weiter zu berühren.

Dass es auch anders geht, wurde bei der Party bewiesen, wo wir dann im Anschluss noch hingegangen sind. Dort wurde am Einlass zwar auch gefragt, ob wir wissen, was heute für ne Veranstaltung hier ist. Der Hintergrund war aber, dass sie wissen wollten, ob uns bewusst ist, dass es sich um eine queere Party handelt und was dies bedeutet. Hier waren auch Frauen* im Securtity-Team.

Insgesamt überwiegt bei mir trotz des Unbehangens bei vielfältigen Einzel-Situationen am Frauen*kampftag ein positives Gefühl. Es tut gut zu wissen, dass sich so viele Personen in Berlin zusammengefunden haben, um für Feminismus auf die Straße zu gehen, sich gegenseitig Mut zu machen, dass man für die richtige Sache eintritt, sich zu stärken für einen kämpferischen bunten Feminismus. Ich würde mich freuen, wenn das Bündnis die Arbeit fortsetzt und der Protest im kommenden Jahr noch größer wird und das Unbehagen kleiner wird.

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