Heimat – Nein danke!

Die GRÜNEN in Bayern wollen den Heimatbegriff neu definieren, umdeuten, neu erfinden, wichtig vor allem „nicht mehr der CSU überlassen“. Im Rahmen von dem „Mein Bayern“-Prozess, gehört „Heimat“ für die Parteistrateg_innen offenbar mit zum Konzept. Es geht gar nicht mehr um das „ob“, sondern um das „wie“.

Julia Seeliger hatte für sich bereits 2008 das „Heimat-Problem gelöst“ und dabei Karl Bär sinngemäß zitiert:

Heimat ist da, wo ich die Welt retten will.

Sepp Dürr, der als kulturpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion, das Thema und den Kongress maßgeblich mit gestaltet hat, macht in der Mitgliederzeitung „grüen“ einen Rundumschlag über den Begriff und stellt dabei auch viel kritisches heraus (Sepp Dürr: heimat muss man sich schaffen, S. 6-8). Ich teile einiges von dem, was er da schreibt, aber die Schlussfolgerung ist, dass der „vage“ Begriff benutzt werden soll. Das Schlusswort ist m.E. aber keine Begründung, sondern eine These: „Eine Politik, die die Menschen und ihre Bedürfnisse ernst nimmt, muss die Sehnsucht nach Heimat, nach Zugehörigkeit und Selbstwirksamkeit, ernst nehmen. Nicht zuletzt deshalb, weil wir selber dieses Bedürfnis haben.“ Welche Sehnsucht nach Heimat? Wer ist denn „wir“ an dieser Stelle?

Dass die CSU Angst hat, dass die GRÜNEN damit Wähler_innen gewinnen können ist klar. Jedoch bleibt Alexander Dobrindt genauso flach: „Heimat ist viel mehr: unser bayerisches Lebensgefühl, unsere Geschichte und Kultur, unsere bayerische Identität. (…) Wer Kruzifixe aus den Klassenzimmern holen und islamische Feiertage einführen will, der will unsere bayerische Heimat nicht bewahren, sondern verfälschen.“

Im Bayernkurier wird es noch weniger inhaltlich:

Überspitzt gesagt: Erst wenn sich der normale Trachtler schämt, dass nicht ein Angehöriger irgendeiner Minderheit an der Spitze des Umzuges steht, dann sind die Grünen glücklich. Erst wenn sich der Plattler politisch korrekt nur auf die rechte Fußsohle schlägt und zu jedem Dirndl ein Kopftuch getragen wird, dann sind die ­Grünen „dahoam“.

Auf die Bayernpartei widmet sich auch der „GRÜNEN Heimat“.

Erfreulicherweise gibt es auch kritische Stimmen. Regina Prade vom Landesvorstand der Grünen Jugend Bayern wendet sich dagegen:

Die Grüne Jugend wiederum will den Heimatbegriff ablegen. „Wir brauchen ihn nicht. Heimat bleibt immer etwas Reaktionäres,“, sagte Regina Prade.

Am Ende schließt Sepp Dürr bei dem Artikel:

„Wir sind die eigentliche bayerische Heimatpartei.“

In Kombination mit der Ansicht der GRÜNEN JUGEND also ein „reaktionäre Partei“. Naja in Teilen stimmt das ja auch 😉

Ich selbst habe mich sehr gewundert, dass das Thema „Heimat“ so viel Platz bekommt. Zumal von Anfang an sehr deutlich war, dass die Debatte nicht mehr darum geht, OB man den Heimatbegriff umdeuten, neu definieren etc. will, sondern WIE. Damit wurde die eigentlich spannende Frage ausgeblendet. Für mich ist die Heimat-Debatte eine strategische Debatte Wähler_innen im konservativen Lager zu gewinnen und zwar nicht durch Argumente, sondern durch ein diffuses Gefühl und einen Begriff, der nach wie vor nicht klar ist – weder unter GRÜNEN noch gesamtgesellschaftlich. Meiner Meinung nach hätte es wichtigere Themen gegeben: Für welches Bildungssystem wollen wir konkret eintreten? In letzter Zeit hört man immer wieder, dass man nach dem Volksentscheid in Hamburg das Gymnasium nicht antasten dürfe, weil es nicht vermittelbar sei. Diffuse Politik mag zwar strategisch vielleicht günstiger sein, weil man im Nachhinein so ziemlich alles draus machen kann. Ich finde aber, es braucht einen klaren Kurs, eine klare Sprache und eindeutige Beschlüsse wohin die Reise gehen soll. Natürlich muss man auch gleichzeitig erklären, dass Wahlprogramme meist mit Koalitionspartner_innen umgesetzt werden und man da schauen muss, wie man Kompromisse schmiedet. Die Heimat-Debatte bietet in inhaltlicher Hinsicht keine Lösung…und das pragere ich an!

Zum Nach- und Weiterlesen

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